{"id":315,"date":"2015-06-30T22:26:40","date_gmt":"2015-06-30T20:26:40","guid":{"rendered":"http:\/\/aspie.labut.at\/?p=315"},"modified":"2021-04-11T12:10:22","modified_gmt":"2021-04-11T10:10:22","slug":"schoene-worte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aspie.labut.at\/schoene-worte\/","title":{"rendered":"Sch\u00f6ne Worte"},"content":{"rendered":"
Das Schreiben war mir stets relativ leicht von der Hand gegangen. Dennoch kann ich nicht sagen, dass ich mit meiner Ausdrucksform wirklich zufrieden bin …<\/strong><\/p>\n Schon in der Volks- und Hauptschule bescherten mir meine Aufs\u00e4tze eine gute Note im Unterrichtsgegenstand Deutsch. An der Handelsschule konnte ich in Betriebswirtschaftslehre mit brillianten Gesch\u00e4ftsbriefen punkten. In meiner IT-Berufslaufbahn betreute ich zeitweise auch die Inforedaktion des Unternehmens. Um die Jahrtausendwende war ich Mitbegr\u00fcnder einer Internet-Literaturplattform, die auch heute noch besteht. Als Hobbyautor habe ich in dieser Zeit rund 300 Beitr\u00e4ge zu unterschiedlichen Themen verfasst und manch andere literarische Experimente angedacht. Ein Buchprojekt, in welchem mein Leben abgehandelt werden soll, ist aber bis auf weiteres in einer Schublade abgelegt worden.<\/p>\n Es k\u00f6nnte nun der Schlu\u00df gezogen werden, dass meine Berufswahl besser auf die schreibende Zunft als die IT h\u00e4tte fallen sollen. Dieser Sichtweise kann ich nur bedingt zustimmen, da erst zu hinterfragen w\u00e4re welche Art des Broterwerbs geeignet gewesen w\u00e4re. Die Rhetorik kann nicht \u00fcber meine sozialen Mankos hinwegt\u00e4uschen, die eine zwischenmenschliche Kommunikation besonders in der Gruppe und gegen\u00fcber nicht vertrauten Personen deutlich erschweren. Die Fiktion widerum hat mir nie viel bedeutet, wenngleich ich mich ihr in einzelnen Beitr\u00e4gen bedient habe – wohl aber nur zu dem Zweck meine eigene Geschichte etwas versteckt darstellen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n Es ist mir bestimmt meist recht leicht gefallen vertraute Sachverhalte in eine ansprechende Form zu gie\u00dfen – das werden mir wenige absprechen. Es kann vereinzelt vorkommen, dass sich Freunde an mich wenden, wenn es darum geht einen gesch\u00e4ftlichen Brief aufzusetzen – und tats\u00e4chlich konnte ich schon oft und rasch helfen. „Das h\u00f6rt sich beinahe an, als h\u00e4tte es ein Anwalt geschrieben“, wurde ich schon mal \u00fcber Geb\u00fchr gelobt.<\/p>\n In dieser bestimmt wohlgemeinten Aussage liegt aber auch schon wieder die Krux begraben. Es mag zwar hilfreich sein sich der f\u00f6rmlichen Darstellung bedienen zu k\u00f6nnen, doch gibt es in meiner Ausdrucksweise wenige abweichende M\u00f6glichkeiten. Damit will ich sagen, dass auch pers\u00f6nliche Inhalte einen sehr \u00e4hnlich f\u00f6rmlichen Unterton aufweisen. Der Gesch\u00e4ftsbrief mag zwar zum richtigen Zeitpunkt ein wichtiges Stilmittel sein, er wird zugleich aber als abgehoben und emotionsarm wahrgenommen. Das m\u00f6gen jene Menschen die mich besser kennen respekieren, doch ist es zugleich ein Quell f\u00fcr Mi\u00dfinterpretationen in der Gesellschaft. Meine Rhetorik hat sich soweit verinnerlicht, dass sie nicht nur beim Schreiben sondern auch beim Sprechen zum Einsatz kommt.<\/p>\n Der Titel dieses Postings – „Sch\u00f6ne Worte“ – ist bewusst mit einer geh\u00f6rigen Portion Ironie unterlegt, die unterschiedlich gedeutet werden kann. Der Begriff der „sch\u00f6nen Worte“ wird auch mit dem weniger schmeichelhaften und bewussten Sch\u00f6nreden einer wenig beschaulichen Situation assoziiert und gerne Politikern nachgesagt. Dieser Umstand trifft durchaus auch auf meine Ausdrucksweise mit der wesentlichen Abweichung zu, dass ich dies bestimmt nicht absichtlich tue. Aber wenn ich gefragt werde wie es mir geht oder ob mich etwas st\u00f6rt wird in den meisten F\u00e4llen ein rhetorisch guter, aber auch verharmlosender Redeschwall losgetreten, der jeglichen Ausdruck von Emotionen vermissen l\u00e4sst.<\/p>\n Eine klinisch-psychologischen Begutachtung, der ich mich 2013 unterzog, kam unter anderem zu folgendem Ergebnis …<\/p>\n „… besteht auf die Kl\u00e4rung jedes Wortes und jeder Diagnose – die zwanghafte Pers\u00f6nlichkeitsstruktur ist im vertieften Gespr\u00e4ch deutlich pr\u00e4sent.“<\/strong><\/p>\n Seit 2014 nehme ich eine Psychoeinzeltherapie in Anspruch, in welcher wir gute Wege f\u00fcr zwischenmenschliche Problemstellungen – die oftmals aus meiner Scheu vor Konflikten resultierten – gefunden haben. Ein Psychiater attestierte mir in Zusammenhang mit meinem Lebensweg den Verdacht auf Asperger Syndrom – Infos dazu habe ich unter aspie.labut.at<\/a> zusammengestellt.<\/p>\n Ich wei\u00df, dass ich an meiner Sprache nicht viel \u00e4ndern kann. Dennoch will ich daran arbeiten zu wesentlichen und oftmals f\u00fcr mich \u00e4u\u00dferst belastenden Sachverhalten klarere Worte zu finden.<\/p>\n Diese Zeilen sind auch unter Das Schreiben war mir stets relativ leicht von der Hand gegangen. Dennoch kann ich nicht sagen, dass ich mit meiner Ausdrucksform wirklich zufrieden bin … <\/p>\n labut.at\/blogs\/mind-blog<\/a> online.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"