Hochfunktionale Autisten im Beruf


Hochfunktionale Autisten im Beruf
Navigation durch die Arbeitswelt

von Ina Blodig
broschiert, 192 Seiten

Teamfähigkeit, Flexibilität, Stresstoleranz – Die Bewertungskriterien, nach denen Arbeitgeber Bewerber einstellen und Mitarbeiter beurteilt werden, orientieren sich am Gros der Bevölkerung. Menschen mit Autismus verfügen über diese Eigenschaften nur ansatzweise oder benötigen zielgerichtete Unterstützung. Dabei sind Hochfunktionale Autisten gerade aufgrund ihrer typischen Eigenschaften wie Genauigkeit und Detailliebe wertvolle Mitarbeiter. Es bedarf „nur“ einiger sozialer Skills, um auf dem Arbeitsmarkt ihr Können unter Beweis zu stellen.


Im Frühjahr 2015 wurde ich dazu eingeladen einige persönliche Aspekte in das Buch „Hochfunktionale Autisten im Beruf“ einzubringen, die ich nachfolgend kurz vorstellen möchte.

8.2. Situationen mit erhöhten Konfliktpotenzial

„Ich denke, dass ich stets bemüht war, mich sachlicher Kritik zu stellen. Das Feedback kann ungemein wichtig sein, um neue Lösungsansätze zu finden. Da ich mich mit dem übertragenen beruflichen Aufgabengebiet stets identifizieren wollte, war es mir auch ein Anliegen konstruktive Verbesserungsvorschläge einbringen zu können.“ (Seite 112)

„Kompromisse sind notwendig und hilfreich, um einen gemeinsamen Nenner finden zu können. Solange die unterschiedlichen Sichtweisen sachlich vorgebracht werden und die Bereitschaft zu einem fairen Kompromiss erkennbar ist, habe ich mich dem nie widersetzt. Leider musste ich aber auch immer wieder erleben, dass der Kompromiss von Einzelnen zur eigenen Übervorteilung missbraucht wird.“ (Seite 115)

8.3. Umgang mit Druck, Fehlern und dem eigenen Perfektionismus

„Ein Team soll den ihm übertragenen Aufgabenbereich gemeinschaftlich bewältigen. Dabei können die Stärken und Schwächen der einzelnen Kollegen nach Möglichkeit berücksichtigt werden. Es war mir aber auch wichtig, ein vollwertiges Teammitglied zu sein. Ohne dass dies jemand von mir gefordert hätte, versuchte ich die quantitative Arbeit stets zu steigern. Dies führte innerhalb des Teams dazu, dass sich einzelne Kollegen zurücklehnten und die Arbeitsaufteilung zunehmend ungerechter wurde. Da meine Motivation nicht unbemerkt blieb, war ich innerhalb des Konzern ein geschätzter Ansprechpartner, wenn es um die rasche Erledigung von Aufträgen ging. Dies führte dazu, dass ich mich einem vermeintlichen Druck ausgesetzt sah und das Arbeitsaufkommen mit zahlreichen Überstunden zu bewältigen versuchte. Die zunehmende Fehleranfälligkeit und die auftretenden Warnsignale in Form von Unruhe und Schlafstörungen habe ich lange Zeit fahrlässig verdrängt.“ (Seite 118)

11.1 Individuelle Bedürfnisse am Arbeitsplatz – Reizfilterschwäche

„Die Reizüberflutung im Großraumbüro führte bei mir zu Kopfschmerzen und ich musste immer öfter das Büro kurzzeitig verlassen, um mich zu beruhigen und überhaupt weiterarbeiten zu können. Es war mir natürlich bewusst, dass jene Akustik, die ich als Lärm empfand für andere nicht störend war und diese vielleicht sogar die Stille meiden würden. Ich kann mir lediglich vorwerfen, dass ich kaum jemanden auf die für mich zunehmend belastende Situation aufmerksam gemacht habe.“ (Seite 143)

Ein Kommentar

  • Silvia

    Worte und Erläuterungen, die einem klar machen, was du durchgemacht haben musst…
    Die Belastung muss enorm gewesen sein, so dass ich hoffe, dass es dir nun besser geht…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

+ 15 = 22