Schöne Worte

Das Schreiben war mir stets relativ leicht von der Hand gegangen. Dennoch kann ich nicht sagen, dass ich mit meiner Ausdrucksform wirklich zufrieden bin …

Schon in der Volkschule bescherten mir meine Aufsätze eine gute Note im Unterrichtsgegenstand Deutsch. In der Handelsschule konnte ich in Betriebswirtschaftslehre mit brillianten Geschäftsbriefen punkten. In meiner Berufslaufbahn betreute ich zeitweise auch die Inforedaktion des Unternehmens. Vor mehr als fünfzehn Jahren war ich Mitbegründer einer Literaturplattform im Internet. Als Hobbyautor habe ich in dieser Zeit mehr als 250 Beiträge zu verschiedensten Themen verfasst und manch andere literarische Experimente angedacht. Ein Buchprojekt, in welchem mein Leben abgehandelt werden soll, ist als mittelfristiges Ziel denkbar.

Es könnte nun der Schluß gezogen werden, dass meine Berufswahl besser auf die schreibende Zunft als die IT hätte fallen sollen. Dieser Sichtweise kann ich nur bedingt zustimmen, da erst zu hinterfragen wäre welche Art des Broterwerbs geeignet gewesen wäre. Die Rhetorik kann nicht über meine sozialen Mankos hinwegtäuschen, die eine zwischenmenschliche Kommunikation besonders in der Gruppe und gegenüber nicht vertrauten Personen deutlich erschweren. Die Fiktion widerum hat mir nie viel bedeutet, wenngleich ich mich ihr in einzelnen Beiträgen bedient habe – wohl aber nur zu dem Zweck meine eigene Geschichte etwas versteckt darstellen zu können.

Es ist mir bestimmt meist recht leicht gefallen vertraute Sachverhalte in eine ansprechende Form zu gießen – das werden mir wenige absprechen wollen. Es kann vereinzelt vorkommen, dass sich Freunde an mich wenden, wenn es darum geht einen geschäftlichen Brief aufzusetzen – und tatsächlich konnte ich schon oft und rasch helfen. „Das hört sich beinahe an, als hätte es ein Anwalt geschrieben“, wurde ich schon mal über Gebühr gelobt.

In dieser bestimmt wohlgemeinten Aussage liegt aber auch schon wieder die Krux begraben. Es mag zwar hilfreich sein sich der förmlichen Darstellung bedienen zu können, doch gibt es in meiner Ausdrucksweise wenige abweichende Möglichkeiten. Damit will ich sagen, dass auch persönliche Inhalte einen sehr ähnlich förmlichen Unterton aufweisen. Der Geschäftsbrief mag zwar zum richtigen Zeitpunkt ein wichtiges Stilmittel sein, er wird zugleich aber als abgehoben und emotionsarm wahrgenommen. Das mögen jene Menschen die mich schon besser kennen akzeptieren, doch ist es zugleich ein Quell für Mißinterpretationen in der Gesellschaft. Meine Rhetorik hat sich soweit verinnerlicht, dass sie nicht nur beim Schreiben sondern auch beim Sprechen zum Einsatz kommt.

Der Titel dieses Postings – „Schöne Worte“ – ist bewusst mit einer gehörigen Portion Ironie unterlegt, die unterschiedlich gedeutet werden kann. Der Begriff der „schönen Worte“ wird auch mit dem weniger schmeichelhaften und bewußten Schönreden einer nicht so beschaulichen Situation assoziiert und gerne Politikern nachgesagt. Dieser Umstand trifft durchaus auch auf meine Ausdrucksweise mit der wesentlichen Abweichung zu, dass ich dies bestimmt nicht bewusst tue. Aber wenn ich gefragt werde wie es mir geht oder ob mich etwas stört wird in den meisten Fällen ein rhetorisch guter, aber auch verharmlosender Redeschwall losgetreten, der jeglichen Ausdruck von Emotionen vermissen lässt.

Eine klinisch-psychologischen Begutachtung, der ich mich 2012 unterzog, kam unter anderem zu folgendem Ergebnis …

„… besteht auf die Klärung jedes Wortes und jeder Diagnose – die zwanghafte Persönlichkeitsstruktur ist im vertieften Gespräch deutlich präsent.“

Ich weiß, dass ich an meiner Sprache nicht viel ändern kann. Dennoch will ich daran arbeiten zu wesentlichen und oftmals für mich äußerst belastenden Sachverhalten klarere Worte zu finden.

 

 


Dieser Beitrag wurde auf im „Mind Blog“ auf labut.at veröffentlicht.

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