Schulzeit

Das Asperger Syndrom soll sich – wie man nachlesen kann – jedenfalls bereits in der frühen Kindheit zeigen. In den nachfolgenden Zeilen möchte ich deshalb eine Reise in die Vergangenheit riskieren …

Die Erinnerungen an meine Schulzeit sind nicht die schönsten, wenngleich ich heute nicht mehr viel darüber nachdenke. Es war mir von der Volksschule weg nicht gelungen mich in eine Klassengemeinschaft einzufinden. Insgeheim war ich stets froh wenn die Pausen vorüber waren, da ich mich in den Unterrichtsstunden vor verbalen wie auch körperlichen Übergriffen der Klassenkollegen besser geschützt sah. Die Aggressionen waren durchaus von einzelnen Schülern angeführt, doch damals wie heute schlägt sich die Mehrheit nur allzu häufig auf die Seite des Stärkeren oder schweigt zu Ungerechtigkeiten. Es kam mir offenbar nicht in den Sinn mich zur Wehr zu setzen, da ich innerlich wohl alles zu verdrängen versuchte. Auch kann ich mich nicht erinnern dass ich mich bei Angehörigen, Lehrern oder anderen Vertrauenspersonen beklagt hätte, wiewohl diesen die Probleme keinesfalls verborgen geblieben sein konnten.

In der Volksschulzeit hatte ich einen einzigen Freund, den ich schon kurz vor dem Schuleintritt kennengelernt hatte und der lange Zeit auch mein Sitznachbar war. Ob wir wirklich gute Freunde waren läßt sich schwer beurteilen, da es mir wohl vorrangig darum ging nicht ganz alleine dazustehen. Den Kontakt mit anderen Mitschülern habe ich kaum gesucht oder mir auch nicht zugetraut. Die Interessen und das Verhalten der Gleichaltrigen erschien mir doch sehr viel anders und mein Ziel bestand in erster Linie darin in Ruhe gelassen zu werden. Den Umstand dass ich oftmals älter geschätzt wurde als ich war hatte ich nie hinterfragt und war insgeheim vielleicht sogar noch ein wenig stolz darauf.

Ich denke dass ich lerntechnisch ein nicht schlechter Schüler war, die Beurteilungen lagen zumeist im Bereich des Durchschnitt. Besonders gute Noten hatte ich stets in Deutsch, da ich hier mit meinen Schulaufsätzen punkten konnte. Anders verhielt es sich in den Turnstunden, an denen ich nur mit großem Widerwillen teilnahm. Die mangelnde Geschicklichkeit einerseits, aber auch das Unvermögen mich beim Ballsport in ein Team zu integrieren waren mitverantwortlich dafür, dass ich von den Klassenkollegen ausgegrenzt wurde. Als ich im Alter von zehn Jahren in die Hauptschule wechselte war mir klar, dass ich ab der ersten Turnstunde wieder ein Außenseiter sein würde. Die Lehrerschaft betrachtete diesen Umstand wenig sensibel und so wurde ich über Jahre hinweg im Turnunterricht mit einem „Genügend“ beurteilt. Schulausflüge und Sportveranstaltungen versuchte ich ebenso halbwegs unbeschadet über mich ergehen zu lassen.

Allzu schwerwiegende Konflikte mit den Lehrern bestanden nicht, da ich mich wohl nie getraut hatte deren vermeintliche Autorität in Frage zu stellen. Die sträfliche Beurteilung beim Turnen und das ignorieren der Anfeindungen in der Klasse deuten aber als pädagogische Glanzleistung darauf hin dass sich niemand mit meinem Wesen näher auseinandersetzen wollte. Dass es auch Schulpsychologen gibt wurde mir erst viel später bekannt und selbst habe ich solche nie kennengelernt. Heute denke ich, dass dies vielleicht auch ein Spiegelbild der 70er und frühen 80er Jahre war.

Oder täusche ich mich? Eine Erklärung für so viele Begebenenheiten in meinem Leben lassen sich einfach nicht finden …

Ein Kommentar

  • Pingback: Arbeitsleben 1989-1996 › aspie.labut.at

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

84 − 78 =